Die nun fast schon zur Tradition gewordene Saisonabschlussfahrt auf der „HERTHA“,
dem Namensgeber unseres Vereins, haben wir zum Anlass genommen um dem heutigen Schiffseigner, Herrn Dentler, für seinen unermüdlichen Einsatz zu Danken. Herr Dentler hat das Schiff, und damit ein Stück unserer Geschichte und Tradition, unter hohem Aufwand originalgetreu restauriert und bis heute erhalten.
Ihm wurde eine Urkunde überreicht und er ist als Ehrenmitglied in den Förderkreis Ostkurve e.V. aufgenommen worden.
Um die Entscheidung und diesen Schritt zu begründen möchten wir die Gelegenheit nutzen einmal die ganze Schiffshistorie, soweit uns bekannt, aufzuführen.
Das Schiff wurde 1886 in Stettin auf der Werft „Aron & Gollnow“ als so genannter Doppelschrauben-Dampfer gebaut. Nebenbei erwähnt, es existierten noch lange die beiden Schwesternschiffe „Concordia“ und „Dorothea“. Am Tag der Jungfernfahrt, am 17. April 1886, hatte die Tochter des Reeders Geburtstag. So erhielt das Schiff ihren Namen „HERTHA“ und schipperte bis 1889 über das Stettiner Haff. Dann wurde das Schiff von der „Spree-Havel-Dampfschifffahrts-Gesellschaft Stern“ gekauft und in ihre neu gegründete Flotte, die bei Betriebsöffnung im Jahr 1889 aus 17 Dampfern bestand, aufgenommen. Die Reedereifarben, auf dem Schornstein aufgetragen, waren Blau und Weiß und dazu ein gelber Stern. So fand Fritz Lindner das Schiff im Jahr 1892 vor, das unsere Vereinsgeschichte so folgenreich prägen sollte. BFC Hertha 1892 in blau-weißen Vereinsfarben also, so sollte es sein.
Unser Verein wuchs und wurde schnell populär, das Schiff jedoch geriet in Vergessenheit und versah still seinen Fahrdienst weiterhin auf der Spree, der Havel oder dem Wannsee. Die Kriegs- und Rezessionsjahre zwischen 1914 – 1918 führten dazu das viele unrentable Schiffe verkauft wurden bis schließlich 1934 aus wirtschaftlichen Gründen die Spree-Havel-Dampschifffahrts-Gesellschaft Stern den Betrieb einstellen musste. Die übrig gebliebene Flotte mit unserer „HERTHA“ ging in den Besitz der Teltowkanal AG und die „Stern und Kreisschifffahrt“ der Teltowkanal AG wurde gegründet. In den Kriegswirren 1939 – 1945 geht der größte Teil des Schiffsbestandes verloren oder wird in der Folgezeit beschlagnahmt und abtransportiert. Über das Schicksal der „HERTHA“ aus dieser Zeit konnten wir bisher nichts in Erfahrung bringen. Namentliche Erwähnung findet das Schiff „HERTHA“ erst wieder 1956 mit Fahrten auf dem Müggelsee bevor es zu DDR-Zeiten als „SEID BEREIT“ eben diesen befuhr und 1964 von der „Weißen Flotte“ im Alter von stolzen 78 Jahren außer Dienst gestellt wurde.
5 Jahre später, 1969, lag das Schiff an der Spree vor Stralau und sollte eigentlich verschrottet werden, doch ein gewisser Herr Dentler bekam Wind von der Sache. Die Dentlers, die als zweites Standbein die Schifffahrt auf den Kyritzer Seen betrieben, besichtigten das total heruntergekommene Wrack. Trotz des erbärmlichen Zustands erwarb Familie Dentler aus Wusterhausen/Dosse das Schiff ohne zu wissen welche Schiffshistorie sich dahinter verbergen sollte. Am 15. September 1969 war es soweit und mit einem Spezialtransporter wurde das Schiff über Land bis zum Grundstück der Dentlers transportiert. Abends und am Wochenende wurde das Boot restauriert, darauf geachtet das viel erhalten oder nach Möglichkeit mit Originalteilen ersetzt werden konnte. Dreißig Prozent der Unterwasser-Außenhaut mussten erneuert werden. Ein Jahr später konnte das Schiff erstmalig wieder zu Wasser gelassen werden bevor die Innenrestaurierung fortgeführt wurde. Am 15. Juni 1971 stellte Dentler die „HERTHA“ wieder in den Dienst und taufte das Schiff auf den Namen „Seebär“.
1976 wurde ein Westberliner Schiffshistoriker auf den „Seebär“ aufmerksam und erkannte anhand von Fotos und später durch den Beweis von Archivunterlagen unsere „HERTHA“ wieder. Das Schiff behielt jedoch den Namen „Seebär“ bei und kreuzte so auf der Kyritzer Seenplatte. 1992, als der damalige Zweitligist Hertha BSC sein 100jähriges Bestehen feierte, schipperten Fans mit dem „Seebär“ über die Kyritzer Seenplatte, nicht jedoch ohne das Schiff zumindest für einen Tag auf den Namen „HERTHA“ umzutaufen. Doch zum 110jährigen Jubiläum des Klubs war es dann soweit und das Schiff erhielt endgültig seinen neuen alten Namen „HERTHA“ zurück unter dem es nun hoffentlich noch sehr viele Jahre fahren wird.
