Kategorie: Allgemein

  • Fußball muss bezahlbar sein – für Alle!

    Als erste Gästefanszene erlebten wir beim Eröffnungsspiel zusätzliche Repression am Stadioneingang des Bochumer Ruhrstadions. Das Land Nordrhein-Westfalen zwingt die Vereine zu verstärkten Kontrollen und hiermit zu einer weiteren Eskalation im Zeichen des sinnlosen Symbolkriegs der Innenministerkonferenz gegen Fankultur und das seit Jahrzehnten etablierte Stilmittel Pyrotechnik.

    Was dabei untergeht: Das Eröffnungsspiel der 2. Bundesliga setzt die Spirale der abgelaufenen Saison fort. Die Ticketpreise steigen unverändert weiter. Ein horrender Topspielzuschlag in Höhe von 10€ sorgte für den Kartenpreis von 42€ in weiten Teilen des Gästeblocks, und das beim selbsternannten Arbeiterverein.

    Diese Entwicklung können wir nicht schweigend hinnehmen. Wenn wir nicht protestieren, dreht sich diese Spirale weiter. Sie bleibt indes von denen unbeachtet, die vorgeben, sich für den Fußball einzusetzen. Als unübersehbaren Widerspruch zu diesem horrenden Topspielzuschlag haben wir das Spiel symbolisch um einige Minuten verzögert.

    Die Innenminister der Länder sind in der Regel auch die Sportminister. Wir erwarten endlich eine ernsthafte Null-Toleranz-Strategie gegen die Dinge, die den Fußball als soziale und demokratische Institution vernichten wollen. Von Initiativen gegen die Angriffe auf 50+1, den wachsenden Einfluss von Investoren, die Einschränkungen für eine lebendige Fankultur durch immer mehr Kontrollen und immer strengere Auflagen haben wir aus den Sportministerien noch nichts vernommen. Ebensowenig ruft die immer weiter eskalierende Spirale der Ticketpreise eine Reaktion hervor.

    Wir reichen jedem die Hand, der den Fußball und seine soziale Dimension erhalten will. Der Feind des ehrlichen Fußballs steht nicht in den Fankurven, die sich für bezahlbare Ticketpreise und demokratisch verfasste und mitgliedergeführte Vereine einsetzen.

    Freiheit für die Kurve – Null Toleranz für die Feinde des Fußballs!

    Fanszene Hertha BSC

  • Eure Spielchen mit Reformen – Nicht mit uns

    Jahrelang wurde von Transparenz, Dialog und einer gemeinsamen Reform der Regionalligen gesprochen. Vereine investierten Zeit, Energie und Vertrauen in einen eigens initiierten Prozess, der endlich zu einer fairen und tragfähigen Lösung führen sollte. In dieser Form in seiner Ausgestaltung und Professionalität beispiellos im europäischen Fußball.

    Nun – kurz vor der finalen Abstimmung der Vereine – zeigt sich, was die Verlautbarungen der Regionalverbände tatsächlich wert sind. Sie gipfeln in einer Situation, die uns als Fans der betroffenen, aber auch der aktuell und perspektivisch nicht betroffenen Vereine noch wütender macht. Nicht nur kritischen Fans wird jetzt endgültig klar, dass die Verbände nicht im Sinne ihrer Mitgliedsvereine agieren, sondern ganz eigene Ziele verfolgen. Was FIFA und Co. auf der großen Bühne vormachen, spielen die Regionalverbände nach.

    Der erste Kritikpunkt: Aus dem gemeinsam erarbeiteten Kompassmodell mit vier 20er-Staffeln sollen plötzlich 18er-Staffeln werden. Dabei waren die zusätzlichen Heimspiele einer der größten sportlichen und wirtschaftlichen Vorteile des Modells. Wer diesen zentralen Baustein wenige Tage vor der Abstimmung streicht, entwertet nicht nur monatelange Arbeit – sondern nimmt den Vereinen einen entscheidenden Mehrwert, den sie längst in ihre Überlegungen einbezogen hatten.

    Der zweite Kritikpunkt: Eine bundesweite Mehrheit der Vereine – basierend auf monatelangem Austausch und Bewerten von Argumenten – soll nun nicht mehr ausreichen. Stattdessen soll jede der fünf Regionen eine eigene interne Mehrheit erreichen, um Zustimmung geben zu können. Aus einem demokratischen Mehrheitsprinzip einer bundesweiten Thematik wird damit faktisch ein Vetorecht einzelner Verbände. Wer Mehrheiten aushebelt, stärkt keine Demokratie – sondern zementiert bestehende, ungerechtfertigte und ebenso reformbedürftige Machtverhältnisse.

    Noch schwerer wiegt jedoch die Art und Weise. Ausgerechnet in dem Moment, in dem sich Vereine bundesweit zusammengeschlossen, vernetzt und erstmals mit einer gemeinsamen Stimme für eine Reform eingesetzt haben, werden kurz vor der Abstimmung die Spielregeln verändert. Das wirkt nicht wie der Versuch, einen besseren Kompromiss zu finden. Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass genau diese Geschlossenheit unterlaufen werden soll. Wer monatelang Beteiligung einfordert, um anschließend im entscheidenden Moment hinter den Kulissen die Grundlagen zu verändern, verspielt jedes Vertrauen in einen fairen Prozess.

    Der Widerstand ist die logische Konsequenz. Nicht nur von den unmittelbar betroffenen Fans, sondern von allen, denen an einem glaubwürdigen und basisorientierten Fußball gelegen ist. Wer heute schweigt und diesen miesen Schachzug akzeptiert, der billigt gleichzeitig, dass Verbände ihre eigenen Machtinteressen über die Interessen der Vereine stellen. Diese Form der Verbandsarbeit hat den Fußball lange genug ausgebremst. Es ist Zeit, ihr entschlossen entgegenzutreten und deutlich zu machen: Reformen müssen von den Vereinen getragen werden – nicht gegen sie.

    Wir rufen die Vereinsvertreter dazu auf, mit Geschlossenheit und breiter Brust aufzutreten und die anstehende Abstimmung unter diesen Umständen nicht durchzuführen.

    Die Verbände dürfen sich sicher sein, dass es keinen Weg mehr an einer grundhaften Veränderung ihrer Ausrichtung und Politik vorbei gibt. Wir werden nicht locker lassen – ihr habt es nicht anders verdient.

    Fanszenen Deutschlands im Juni 2026

  • Bitte um Stellungnahme im Vorfeld der IMK vom 17. bis 19. Juni 2026 in Hamburg

    „Eure Dialogbereitschaft: So verlogen wie Eure Debatte“ war im letzten Dezember auf einem großen Spruchband in der Ostkurve Hertha BSC zu lesen. Gerichtet waren diese Worte an Innensenatorin Iris Spranger von der SPD, stellvertretend für die Innenminister von Bund und Ländern. Ziemlich genau ein halbes Jahr später hat die IMK vom DFB-Präsidium ihren Wunsch nach einer zentralen Stadionverbotskommission erfüllt bekommen – der DFB ist eingeknickt und hat eine Reform der Stadionverbotsrichtlinien beschlossen, die rechtsstaatliche Grundsätze verletzt.

    Wie vor einem halben Jahr machen sich auch heute immer noch viele Fußballfans Sorgen um die Fankultur. Vom 17. bis 19. Juni trifft sich die Innenministerkonferenz (IMK) zur Frühjahrssitzung in Hamburg. Auch diesmal steht der sogenannte TOP „Fußball ohne Gewalt“ als 19. Tagesordnungspunkt auf der Agenda.

    Im letzten Herbst protestierten Fußballfans in ganz Deutschland gegen die diskutierten Maßnahmen. Mitte November kamen mehr als 20.000 Fußballfans von über 50 Vereinen aus ganz Deutschland in Leipzig zu- sammen, um über Vereinsgrenzen hinweg ein unübersehbares Zeichen zu setzen. Auch in der Folge gab es weitere Protestaktionen auf den Straßen und Tribünen dieses Landes, auch in Berlin.

    Die IMK gab sich im Anschluss an die Proteste in den Stadien und darüber hinaus gemäßigter und kündigte
    „Dialog und Transparenz“ an. Passiert ist davon bis heute: Nichts. Innensenatorin Spranger sagte nur weni-
    ge Stunden nach der Dialogankündigung einen vereinbarten und durch sie selbst mehrfach verschobenen
    Gesprächstermin mit Fan- und Vereinsvertretern ab.

    Stattdessen machen Innenminister in verschiedenen Bundesländern wieder öffentlich Stimmung gegen Fußballfans. So verspielt man Vertrauen in politische Entscheidungsträger und Prozesse. Wir Fußballfans nehmen wahr, dass politische Akteure sehr gerne über uns, aber nie mit uns sprechen. Ausgerechnet in der Bundesliga-Sommerpause, in der in den Stadien nicht protestiert werden kann und im Schatten einer Fußball-WM könnten jetzt neue Maßnahmen beschlossen werden.

    Die letzten Monate haben gezeigt, dass sich Fußballfans nicht auf die Verbände verlassen können. Trotz massiver Kritik von Fußballvereinen, Fanprojekten, Fanhilfen, Rechtsanwälten und auf den Tribünen der Stadien und entgegen der Faktenlage, die ausdrücklich einen Rückgang der Verletztenzahlen in den Stadien ausweist, wurden fanfeindliche Maßnahmen beschlossen. Auch Hertha BSC mit seinen über 60.000 Mitgliedern hat sich gegen die Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien und die Einführung einer zentralen Kommission positioniert.

    Wir fordern, dass die IMK ihren fanfeindlichen und populistischen Irrweg verlässt sowie Transparenz statt Geheimhaltung! Wir fordern eine öffentliche Erklärung von Innensenatorin Spranger zum Stand der geplanten Maßnahmen und von den Abgeordneten, fanfeindliche Maßnahmen nicht hinzuneh- men, sondern der breiten Kritik aus der Welt Fußballs Gehör zu schenken!

    In Erwartung ihrer Antwort verbleiben wir mit freundlichen Grüßen,


    Förderkreis Ostkurve e.V. & Fanhilfe Hertha B.S.C.

    im Juni 2026