Die Fans von Hertha BSC mussten am Dienstag Abschied von einem ganz großen Fan der Hertha nehmen. Didi verstarb nach einem Arbeitsunfall bei seiner BVG in einem Friedrichshainer Krankenhaus. Ein Leben für die Hertha nahm so tragisch, plötzlich und frühzeitig sein Ende.
Wir wollen hier ein wenig auf sein Hertha Leben zurückblicken, in dem wir an so manches erinnern. All die Anekdoten, die er und seine Freunde mit ihm erlebt haben, würden diesen Rahmen jedoch sprengen, so dass wir es mit ein paar Erinnerungsfetzen belassen wollen. Didi ging wie wir alle, zunächst mit seinem Vater zur Hertha. Das soll, seiner Erinnerung nach ab 1969 der Fall gewesen sein. Doch schon bald ging er alleine seiner Wege und besuchte die Spiele der Hertha mit seinen Kumpels. Bereits im Jugendalter 15/16 reiste er mit den „Fröschen“ der Hertha hinterher. Meist zunächst mit dem Zug.
Das hieß damals Freitagabend ab Bahnhof Zoo, um durch die Nacht die Ziele in Westdeutschland, wie der Berliner sagte, zu erreichen. Hier gab es zur Ankunft meistens Begrüßungskomandos der Heimfans. In der ersten Reihe stand Didi nie. Eher fiel er als Schlichter auf, was ihm aber auch mal ein dickes Auge kostete. So saßen die Herthaner bei Holst am Zoo, als die „Neusser“ eine bekannte Gladbacher Gruppe erschien. Didis Einsatz für einen friedvollen Abend endete mit einem Cowboystiefel im Gesicht und einem dicken Auge. Das machte ihn am nächsten Tage vorsichtig, denn er erschien zu einem Spiel der Amateur-Oberliga, in der wie damals herumdümpelten, beim Spandauer BC mit einem Holzschläger, was angesichts des Seniorenpublikums auf der Heimseite für Verwunderung sorgte. Die Gnade der frühen Geburt ermöglichte Didi alle schönen Jahre der 70er bei Hertha zu erleben. Natürlich war er auch bei den Pokalendspielen 1977 und 1979 vor Ort. Auch die seinerzeitige Hertha-Bayern Freundschaft lebte er und durfte wie auch andere Hertha-Fans in das Clubhaus der Südkurve73. Hier trank er so manches Helles mit dem Schwabinger, einer Münchener Faninstitution.
Auch zu Fans von RWE hielt er Kontakt, den Crazy Boys Essen, dass half vor allem auch bei Spielen gegen Schlacke (-; . Mit denen war er einmal in Rotterdam zu einem Länderspiel (D-NL). Hier hatte er sich, wie so oft um die Karten gekümmert und verteilte diese gerade an seine Gruppe, als die Polizei über ihn herfiel und ihn wegen Schwarzhandel festnahm. Er saß bis Spielende im Gewahrsam und verpasste das Spiel. Wie er bei seinen Kumpels geachtet war, bewies die Tatsache, dass diese weil er nicht dabeisein konnte auch auf das Spiel verzichteten und an den Neunern warteten, bis er wieder um 01:00 Uhr nachts frei war.
Diesen Stand erwarb er sich, weil er immer seinen Kumpels half und diese auch mal mit einem Geldschein unterstützte. Diese Hilfe führte jedoch auch schon mal zu kuriosen Ergebnissen. Einmal, er war bei der BVG als Schweißer, sollte er bei seinem Kumpel am Käfer was schweißen. Das Ergebnis war, dass der Kofferraum nicht mehr aufging. Ein Augenzwinkern und ein Bier für den Kumpel und alles war o.K.
Mit dem Geld hatte er bei Auswärtsfahrten den Tick dieses in den Socken zu verstecken. Einmal war er mit seinen Kumpels zu einem Hertha Freundschaftsspiel in einem fränkischen Dorf unterwegs, als es einen Bach zu überqueren galt. Alle kamen verletzungsfrei rüber, nur Didi stolperte und versank halb im Bach. Folge war, dass die Geldscheine im Bach schwammen und alle mußten diese einsammeln. Die Dörfler fanden die Geschichte so lustig, dass es zum Spiel für die wenigen Berliner ordentlich Freibier gab.
Bei Hertha war er seit über 40 Jahren Mitglied und auch beim HFC und FCB war er seit den Anfangsjahren dabei. Zuletzt war er auch beim Berliner Sorgenkind Mitglied und nutzte ab und zu die Gelegenheit mit dem Bus auswärts zu reisen. Ansonsten war er alleine mit einem Kumpel auswärts unterwegs. Meist mit dem Auto des Kumpels. Einen Führerschein wollte er nie machen, nachdem er in früher Jugend mit dem Mofa einen Unfall hatte. Anfang der 80er war er auch mal mit den Jungs von Z.B. unterwegs, wo man ihn Baby nannte. Warum das so war, das weiß heute keiner mehr.
Die langen Haare der Siebziger, die immer an den Seiten abstanden, hatte er gegen ein schöne Glatze eingetauscht. Ansonsten lief er immer mit einer Jogginghose und einer Pudelmütze durch die Gegend. Die letzten Jahre stand er von den Heimspielen immer am Wohnwagen von Detlef in der Olympischen und trank sein Heimspiel-Bierchen. Hier bestach er mit seinem Detailwissen über alle Hertha Spiele der vergangenen Jahrzehnte. Wenn er Ergebnis, Zuschauerzahl und Torschützen aufgesagt hatte, hieß es immer von den Anderen: „Und Didi – Jetzt mußt Du nur noch das Wetter von dem Tag sagen“.
Auswärts hatte aber auch die Arbeit seinen Vorrang. Wenn am Samstag 18.30 Uhr ein Spiel war, fuhr er nicht hin, weil er am Sonntagabend in die Nachtschicht ging. Da hatte er so seine Prinzipien. Er brauchte neben der Arbeit und Hertha nicht viel. Bier, Kaffee und Bild „lästerten“ manchmal die Kumpels. Nun werden sie Samstags ohne ihn am Wohnwagen stehen….
Wir nehmen Abschied von einem besonderen Hertha Fan und rufen ihm ein lautes HAHOHE hinterher.