Autor: Luca Karayalcin

  • Fußball muss bezahlbar sein – für Alle!

    Als erste Gästefanszene erlebten wir beim Eröffnungsspiel zusätzliche Repression am Stadioneingang des Bochumer Ruhrstadions. Das Land Nordrhein-Westfalen zwingt die Vereine zu verstärkten Kontrollen und hiermit zu einer weiteren Eskalation im Zeichen des sinnlosen Symbolkriegs der Innenministerkonferenz gegen Fankultur und das seit Jahrzehnten etablierte Stilmittel Pyrotechnik.

    Was dabei untergeht: Das Eröffnungsspiel der 2. Bundesliga setzt die Spirale der abgelaufenen Saison fort. Die Ticketpreise steigen unverändert weiter. Ein horrender Topspielzuschlag in Höhe von 10€ sorgte für den Kartenpreis von 42€ in weiten Teilen des Gästeblocks, und das beim selbsternannten Arbeiterverein.

    Diese Entwicklung können wir nicht schweigend hinnehmen. Wenn wir nicht protestieren, dreht sich diese Spirale weiter. Sie bleibt indes von denen unbeachtet, die vorgeben, sich für den Fußball einzusetzen. Als unübersehbaren Widerspruch zu diesem horrenden Topspielzuschlag haben wir das Spiel symbolisch um einige Minuten verzögert.

    Die Innenminister der Länder sind in der Regel auch die Sportminister. Wir erwarten endlich eine ernsthafte Null-Toleranz-Strategie gegen die Dinge, die den Fußball als soziale und demokratische Institution vernichten wollen. Von Initiativen gegen die Angriffe auf 50+1, den wachsenden Einfluss von Investoren, die Einschränkungen für eine lebendige Fankultur durch immer mehr Kontrollen und immer strengere Auflagen haben wir aus den Sportministerien noch nichts vernommen. Ebensowenig ruft die immer weiter eskalierende Spirale der Ticketpreise eine Reaktion hervor.

    Wir reichen jedem die Hand, der den Fußball und seine soziale Dimension erhalten will. Der Feind des ehrlichen Fußballs steht nicht in den Fankurven, die sich für bezahlbare Ticketpreise und demokratisch verfasste und mitgliedergeführte Vereine einsetzen.

    Freiheit für die Kurve – Null Toleranz für die Feinde des Fußballs!

    Fanszene Hertha BSC

  • Eure Spielchen mit Reformen – Nicht mit uns

    Jahrelang wurde von Transparenz, Dialog und einer gemeinsamen Reform der Regionalligen gesprochen. Vereine investierten Zeit, Energie und Vertrauen in einen eigens initiierten Prozess, der endlich zu einer fairen und tragfähigen Lösung führen sollte. In dieser Form in seiner Ausgestaltung und Professionalität beispiellos im europäischen Fußball.

    Nun – kurz vor der finalen Abstimmung der Vereine – zeigt sich, was die Verlautbarungen der Regionalverbände tatsächlich wert sind. Sie gipfeln in einer Situation, die uns als Fans der betroffenen, aber auch der aktuell und perspektivisch nicht betroffenen Vereine noch wütender macht. Nicht nur kritischen Fans wird jetzt endgültig klar, dass die Verbände nicht im Sinne ihrer Mitgliedsvereine agieren, sondern ganz eigene Ziele verfolgen. Was FIFA und Co. auf der großen Bühne vormachen, spielen die Regionalverbände nach.

    Der erste Kritikpunkt: Aus dem gemeinsam erarbeiteten Kompassmodell mit vier 20er-Staffeln sollen plötzlich 18er-Staffeln werden. Dabei waren die zusätzlichen Heimspiele einer der größten sportlichen und wirtschaftlichen Vorteile des Modells. Wer diesen zentralen Baustein wenige Tage vor der Abstimmung streicht, entwertet nicht nur monatelange Arbeit – sondern nimmt den Vereinen einen entscheidenden Mehrwert, den sie längst in ihre Überlegungen einbezogen hatten.

    Der zweite Kritikpunkt: Eine bundesweite Mehrheit der Vereine – basierend auf monatelangem Austausch und Bewerten von Argumenten – soll nun nicht mehr ausreichen. Stattdessen soll jede der fünf Regionen eine eigene interne Mehrheit erreichen, um Zustimmung geben zu können. Aus einem demokratischen Mehrheitsprinzip einer bundesweiten Thematik wird damit faktisch ein Vetorecht einzelner Verbände. Wer Mehrheiten aushebelt, stärkt keine Demokratie – sondern zementiert bestehende, ungerechtfertigte und ebenso reformbedürftige Machtverhältnisse.

    Noch schwerer wiegt jedoch die Art und Weise. Ausgerechnet in dem Moment, in dem sich Vereine bundesweit zusammengeschlossen, vernetzt und erstmals mit einer gemeinsamen Stimme für eine Reform eingesetzt haben, werden kurz vor der Abstimmung die Spielregeln verändert. Das wirkt nicht wie der Versuch, einen besseren Kompromiss zu finden. Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass genau diese Geschlossenheit unterlaufen werden soll. Wer monatelang Beteiligung einfordert, um anschließend im entscheidenden Moment hinter den Kulissen die Grundlagen zu verändern, verspielt jedes Vertrauen in einen fairen Prozess.

    Der Widerstand ist die logische Konsequenz. Nicht nur von den unmittelbar betroffenen Fans, sondern von allen, denen an einem glaubwürdigen und basisorientierten Fußball gelegen ist. Wer heute schweigt und diesen miesen Schachzug akzeptiert, der billigt gleichzeitig, dass Verbände ihre eigenen Machtinteressen über die Interessen der Vereine stellen. Diese Form der Verbandsarbeit hat den Fußball lange genug ausgebremst. Es ist Zeit, ihr entschlossen entgegenzutreten und deutlich zu machen: Reformen müssen von den Vereinen getragen werden – nicht gegen sie.

    Wir rufen die Vereinsvertreter dazu auf, mit Geschlossenheit und breiter Brust aufzutreten und die anstehende Abstimmung unter diesen Umständen nicht durchzuführen.

    Die Verbände dürfen sich sicher sein, dass es keinen Weg mehr an einer grundhaften Veränderung ihrer Ausrichtung und Politik vorbei gibt. Wir werden nicht locker lassen – ihr habt es nicht anders verdient.

    Fanszenen Deutschlands im Juni 2026

  • Spendet Becher – Rettet Leben 2026 Rückblick

    Hallo Herthaner,

    zum Heimspiel gegen Holstein Kiel am 31. Spieltag führten wir unsere alljährliche Spendenaktion „Spendet Becher – Rettet Leben“ wieder sehr erfolgreich in unserem heimischen Olympiastadion durch. In einem mit ca. 45.000 Zuschauern nur gut halbvoll besetzten Stadion, war die Spendenbereitschaft wieder einmal überragend. Da es bereits vor dem Spiel für uns sportlich um nichts mehr ging, konnten wir den Fokus voll und ganz auf unsere Spendenaktion legen, die wir in enger Zusammenarbeit mit der Fanszene von Holstein Kiel durchführten.

    „Spendet Becher – Rettet Leben“ war nie nur eine reine Spendensammlung. Es soll über gemeinnützige Vereine und Organisationen informiert werden, die Menschen in schweren Lebenssituationen unterstützen. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der gesamten Fanszene von Hertha BSC, bei dem sich junge und ältere Herthaner mit schwierigen Lebensthemen auseinandersetzen, sich für diese Projekte engagieren und diese Einrichtungen für alle Stadionbesucher und Interessierte präsent machen. „Spendet Becher – Rettet Leben“ ist aber auch ein Gedenktag für unseren Freund Benny, der 2005 seine Leukämieerkrankung letztendlich nicht besiegen konnte, obwohl sein gesamtes Umfeld und er selbst alles dafür gegeben hatten. In Gedenken an Benny werden wir die Tradition von „Spendet Becher – Rettet Leben“ jährlich mit Stolz weiterführen und mit Leben füllen.

    Die begünstigte Einrichtung in diesem Jahr ist „Herzenszeit Berlin“, die seit 2019 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie ihre Familien auf ihrem Weg durch Krankheit, Abschied und Trauer, oft schon ab der Diagnose und bis weit über den Verlust hinaus begleitet. Die Einrichtung unterstützt dabei junge Menschen, deren Mutter, Vater oder Geschwisterkind schwer erkrankt ist, in absehbarer Zeit versterben wird oder bereits verstorben ist, unabhängig von der Todesursache. Zum Angebot gehören Hausbesuche, Einzel- und Familienberatungen, altersgerechte Abschieds- und Erinnerungsgruppen sowie tiergestützte Trauerarbeit. In altbewährter Tradition sammelten eine Vielzahl an Helferinnen und Helfern unzählige Becher-und Geldspenden am Spieltag. Zusätzlich wurde über den PayPal-Account sowie das Konto des Förderkreis Ostkurve e.V. Geld gespendet. Die diesjährigen Spenden waren trotz der verhältnismäßig geringen Zuschauerzahl wieder einmal derart überwältigend, sodass wir mit sehr viel Stolz folgende Spendensumme verkünden können:

    • Becherspenden: 43.344€
    • Bargeldspenden: 28.879€
    • Konto/PayPal: 9504,71€
    • Trikotauktion Hertha BSC: 9504,20€
    • Gesamtsumme: 91.231,91€

    Hertha BSC rundet diesen sensationellen Betrag auf glatte 95.000€ auf, womit wir diese stolze Spendensumme an „Herzenszeit Berlin“ übergeben dürfen.

    Ein großer Dank gilt allen an der Spendenaktion beteiligten Personen sowie insbesondere der Fanszene von Holstein Kiel für ihre tatkräftige Unterstützung!

    Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr, wenn es wieder heißt: „Spendet Becher – Rettet Leben

    Harlekins Berlin ’98 im Mai 2026