Die Fanszene des FC Hansa Rostock versucht kreativ gegen einen vom
Sportgericht des DFB verhängten Zuschauerausschluss für zwei Spiele zu
protestieren.
Dies soll zum einen in Form von Geistertickets und zum anderen mit einer
Bilderaktion in den gesperrten Blöcken umgesetzt werden. Hierbei soll jedes
Bild für einen ausgeschlossen Fan stehen.
Nachdem der Verein die erste Verbotsbegründung wegen angeblicher
Brandgefahr ausgeräumt hatte, wurden andere Gründe gesucht und letztlich
gefunden, um die kreative Aktion der Fans zu unterbinden. Dabei wurde sich
auf ein Urteil des verbandseigenen Sportgerichts berufen, welches besagt,
dass bei Blocksperren keine Banner, Fahnen oder ähnliches in den Blöcken
hängen dürften.
„Damit hat der DFB sich durch seine interne Rechtsprechung selbst die
Legitimation zu solchen Strafen gegeben, ohne dass dieses Vorgehen in den
Statuten festgelegt ist“, kritisiert ProFans-Sprecherin Gloria Holborn das
Verständnis von Gewaltenteilung innerhalb des DFB.
Den Fans vom FC Hansa Rostock wurde somit die Möglichkeit genommen, gegen
die Sanktionen zu protestieren und sich eine Stimme in der Angelegenheit zu
verschaffen. „Wir kritisieren Kollektivstrafen seit Jahren und beanstanden
das damit intendierte Auseinanderfallen von Kurvengemeinschaften. Die
Hansa-Fans zeigen, dass sie nicht bereit sind, sich durch zweifelhafte
Kollektivstrafen auseinander bringen zu lassen und werden dafür in ihrer
Meinungsfreiheit beschränkt,“ so ProFans-Sprecherin Gabriele Mateika.
Für mehr Verständnis und Transparenz gegenüber der DFB-Gerichtsbarkeit
wird dieses Vorgehen mit Sicherheit nicht sorgen und bestätigt das von
ProFans ausgerufene Jahresziel, mehr denn je die Sportgerichtsbarkeit in
den Fokus der fanpolitschen Arbeit zu rücken.
„Eine Organisation, die sich öffentlicher Kritik entzieht, pervertiert den
Gedanken einer demokratischen Gesellschaft,“ stellt Holborn fest und führt
weiter aus: „Auch ein Verband muss damit umgehen können, dass seine Strafen
nicht überall auf Wohlgefallen stoßen und darf die sachliche
Auseinandersetzung damit nicht scheuen.“
In der Vergangenheit hat es mehrfach beeindruckende Protestaktionen von
betroffenen Fanszenen gegen derartige Urteile gegeben. „Der DFB macht hier
einen großen Fehler. Das Kritik-Verbot an seinen Urteilen bringt nämlich
nicht nur Ultras gegen sich auf, sondern weite Teile der Fanszenen. Damit
wird der Verband immer mehr zu einem extremen Feindbild von
unterschiedlichsten Fußballfans in ganz Deutschland“, sagt Jakob Falk von
ProFans.
ProFans fordert die Rücknahme des Verbotes der Bilderaktion und empfiehlt
dem DFB einen gelasseneren Umgang mit Kritik an seiner ungerechten und
ineffektiven Sportgerichtsbarkeit.
ProFans im Januar 2017
